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Ratgeber · IGeL ehrlich erklärt

Brustultraschall zur Früherkennung — sinnvoll oder nicht?

Praxisteam · 29. Mai 2026

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Kurz gesagt: Der Ultraschall der Brust wird häufig zusätzlich zur Mammografie oder als Selbstzahlerleistung zur Brustkrebs-Früherkennung angeboten. Belastbare Studien zu Nutzen und Schaden fehlen. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund bewertet die Leistung deshalb als unklar. Trotzdem kann der Brustultraschall in bestimmten Situationen sinnvoll sein — wann genau, klären wir hier.

Worum geht es beim Brustultraschall?

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Jahr 2022 erhielten in Deutschland rund 74.500 Frauen die Diagnose. Früh erkannt, ist Brustkrebs in den meisten Fällen gut heilbar. Genau deshalb existiert in Deutschland das Mammografie-Screening: Frauen zwischen 50 und 75 Jahren werden alle zwei Jahre eingeladen — die Kassen übernehmen die Kosten.

Zusätzlich oder alternativ bieten viele Praxen einen Ultraschall der Brust an. Er ist strahlungsfrei, schmerzlos und kann auch in dichtem Brustgewebe Auffälligkeiten zeigen. Als Selbstzahlerleistung — also IGeL — kostet er inklusive Beratung in der Regel bis zu 60 Euro. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt den Brustultraschall nicht als Früherkennung, sondern nur bei medizinischem Anlass.

Junge Frau lacht im Wald

Foto: Jamie Brown / Unsplash

Was sagt die Studienlage?

Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors hat die internationale Forschungsliteratur durchsucht — und einen entscheidenden Befund mitgeteilt: Es gibt keine aussagekräftigen Studien, die den Nutzen des Brustultraschalls bei beschwerdefreien Frauen belegen. Weder als Alternative zur Mammografie noch als Ergänzung.

Das heißt nicht, dass der Ultraschall keinen Nutzen hätte. Es heißt, dass die Forschung diese Frage bislang nicht beantwortet hat. Die Bewertung „unklar“ ist daher ehrlich: Niemand weiß sicher, ob die Untersuchung in Summe schadet oder nutzt.

Leeres Notizbuch mit Stift auf einem Holztisch

Foto: Kelly Sikkema / Unsplash

Welche Schäden sind möglich?

Auch bei den möglichen Schäden ist die Datenlage dünn — aber es gibt erste Hinweise:

  • Falsch-auffällige Befunde: Frauen, die zusätzlich einen Ultraschall erhalten, haben häufiger auffällige Ergebnisse, die sich später als harmlos herausstellen.
  • Mehr Biopsien: Auffällige Befunde werden oft mit einer Gewebeentnahme abgeklärt — auch dann, wenn am Ende kein Krebs vorliegt.
  • Psychische Belastung: Zwischen einem auffälligen Befund und seiner Klärung liegen häufig Tage oder Wochen mit Angst und Sorge.

Wie häufig diese Folgen auftreten und wie stark sie wiegen — auch das ist nicht abschließend untersucht.

Wann ist der Brustultraschall sinnvoll?

Auch wenn die pauschale Empfehlung fehlt, gibt es Situationen, in denen der Brustultraschall medizinisch gut begründbar ist:

  • Dichtes Brustgewebe (ACR Typ C oder D): In dichtem Gewebe ist die Mammografie deutlich weniger aussagekräftig. Der Ultraschall kann hier ergänzend Tumoren sichtbar machen, die in der Mammografie verborgen bleiben.
  • Familiäre Vorbelastung: Bei nachgewiesenem genetischen Risiko (zum Beispiel BRCA1/2-Mutationen) gehört der Brustultraschall in viele Vorsorgeprogramme — dann häufig auch als Kassenleistung.
  • Auffälliger Tast- oder Mammografiebefund: Bei konkretem Anlass ist der Ultraschall eine ergänzende diagnostische Untersuchung und wird von den Kassen übernommen.
  • Vor dem 50. Lebensjahr: Für jüngere Frauen, die noch nicht am Mammografie-Screening teilnehmen, kann der Ultraschall in Einzelfällen sinnvoll sein — die Entscheidung sollte individuell fallen.
Flur und Empfang unserer Praxis

Unsere Haltung in der Praxis

Wir empfehlen den Brustultraschall nicht pauschal jeder Frau. Wir empfehlen ihn dort, wo er medizinisch nachvollziehbar etwas beiträgt — also nach Befund, nach Risikoprofil, nach Lebenssituation. Das ist seriöser, als jeder Patientin standardmäßig eine Selbstzahlerleistung anzubieten, deren Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist.

Wenn du Fragen zu deinem persönlichen Risiko, deinem Brustgewebe oder einer geplanten Vorsorgeuntersuchung hast, sprich uns an. Wir nehmen uns Zeit für die Einordnung — auch dann, wenn am Ende keine zusätzliche Untersuchung empfohlen wird.

Quellen und weiterführende Informationen

Letzte Aktualisierung: Mai 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung im Einzelfall.

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