Ein paar Tropfen beim Niesen, beim Lachen, beim ersten Lauf nach der Schwangerschaft. Viele Frauen erleben das nach einer Geburt und sprechen nicht darüber. Dabei ist Blasenschwäche nach der Geburt häufig, gut untersucht und oft besser in den Griff zu bekommen, als du denkst.
Wie häufig ist das?
Etwa jede dritte Frau verliert in den ersten Monaten nach der Geburt ungewollt Urin. Das zeigt eine Auswertung von 38 Studien mit fast 10.000 Frauen. Bei vielen bessert es sich in den ersten Monaten von selbst, wenn Gewebe und Muskeln sich erholen. Bei manchen bleibt es.
Was dahintersteckt
Der Beckenboden ist eine Muskelschicht, die Blase, Gebärmutter und Darm von unten trägt und die Harnröhre verschließt. Neun Monate Gewicht, Hormone, die das Bindegewebe lockern, und bei einer vaginalen Geburt die starke Dehnung: Danach braucht er Zeit, um wieder zuverlässig zu schließen.
Am häufigsten ist die Belastungsinkontinenz. Urin geht ab, wenn der Druck im Bauch steigt: beim Husten, Niesen, Heben oder Springen. Seltener ist ein plötzlicher, starker Harndrang oder eine Mischform aus beidem.
Das Risiko steigt unter anderem bei:
- einem großen Kind oder einer langen Pressphase
- einer Geburt mit Saugglocke oder Zange
- Verletzungen am Damm
- mehreren Geburten
- Blasenschwäche schon in der Schwangerschaft
Auch nach einem Kaiserschnitt kann Blasenschwäche auftreten. Schon die Schwangerschaft selbst belastet den Beckenboden.
Was du selbst tun kannst
Beckenbodentraining ist bei Belastungsinkontinenz die erste Wahl. Entscheidend ist, die richtigen Muskeln zu finden: Viele Frauen pressen am Anfang, statt anzuspannen, oder halten die Luft an.
- Rückbildung: Ein Rückbildungskurs beginnt meist sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Dort lernst du, wo dein Beckenboden sitzt und wie du ihn ansteuerst.
- Dranbleiben: Training wirkt nicht in zwei Wochen. Rechne mit einigen Monaten, mehrmals pro Woche.
- Vorher anspannen: Spann den Beckenboden kurz an, bevor du niest, hustest oder etwas hebst. Das lässt sich gut einüben.
- Genug trinken: Wer aus Angst weniger trinkt, reizt die Blase eher. Trink lieber regelmäßig über den Tag verteilt.
- Nicht pressen: Verstopfung und starkes Pressen auf der Toilette belasten den Beckenboden zusätzlich.
- Sport mit Geduld: Viele Empfehlungen raten, mit Joggen und Springen frühestens etwa drei Monate nach der Geburt zu beginnen.
Wann du dich untersuchen lassen solltest
- wenn du drei Monate nach der Geburt noch regelmäßig Urin verlierst
- wenn du ein Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide spürst
- wenn ungewollt Stuhl oder Winde abgehen
- wenn Brennen beim Wasserlassen, Fieber oder Blut im Urin dazukommen
- wenn die Beschwerden dich im Alltag, beim Sport oder in der Sexualität einschränken
Bei der Untersuchung klären wir, welche Form der Blasenschwäche vorliegt und ob eine Senkung dahintersteckt. Im Ultraschall sehen wir, wie sich Blase und Beckenboden bewegen.
Wenn Training allein nicht reicht
Dann gibt es weitere Wege, je nach Befund:
- Physiotherapie mit Biofeedback: Ein Messgerät zeigt dir, ob du die richtigen Muskeln anspannst.
- Pessar: Ein kleiner Silikonring oder -würfel stützt die Harnröhre, zum Beispiel beim Sport.
- Elektromagnetische Beckenbodenstimulation (Emsella): Du sitzt bekleidet auf einem Stuhl, der rund 28 Minuten lang Muskelkontraktionen auslöst. Studien zeigen bei vielen Frauen eine Besserung. Die Datenlage ist kleiner als beim klassischen Training, die Wirkung individuell verschieden. Bei uns ist Emsella eine Selbstzahlerleistung und ergänzt das Training, sie ersetzt es nicht. Mehr zu Emsella
- Operation: Sie ist erst ein Thema, wenn die anderen Wege ausgeschöpft sind, und meist erst, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist.
Häufige Fragen
Ist Blasenschwäche nach der Geburt normal?
Häufig ja. Aushalten musst du sie trotzdem nicht. Wenn sie nach einigen Monaten nicht besser wird, lass dich untersuchen.
Wie lange braucht der Beckenboden, um sich zu erholen?
Die ersten Monate nach der Geburt bringen oft schon viel. Gezieltes Training braucht danach meist noch einige Monate, bis es spürbar wirkt.
Lohnt sich Beckenbodentraining auch Jahre nach der Geburt?
Ja. Der Beckenboden ist ein Muskel und lässt sich in jedem Alter trainieren.
Kann ich auch nach einem Kaiserschnitt Blasenschwäche bekommen?
Ja. Das Risiko ist etwas geringer als nach einer vaginalen Geburt, aber die Schwangerschaft selbst belastet den Beckenboden.
Wann darf ich wieder joggen?
Erst wenn dein Beckenboden wieder trägt. Viele Empfehlungen nennen frühestens etwa drei Monate nach der Geburt. Verlierst du beim Laufen Urin, ist das ein Zeichen, noch zu warten und gezielt zu trainieren.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Eine Therapieentscheidung treffen wir immer individuell und gemeinsam.





