Aufklärung

Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung — was bringt er wirklich?

📅 29. Mai 2026 · ⏱ 4 Min. Lesezeit · ✍️ Praxismanager
Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung — was bringt er wirklich?

Kurz gesagt: Der Ultraschall der Eierstöcke wird in vielen Praxen als Selbstzahlerleistung zur Krebsfrüherkennung angeboten. Die Studienlage zeigt: Frauen sterben mit dieser Früherkennung nicht seltener an Eierstockkrebs als ohne. Gleichzeitig gibt es belegbare Schäden. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund bewertet die Leistung deshalb als negativ.

IGeL

Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung

Bewertung durch den IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund

Negativ

Was wir wissen — Nutzen

Studien zeigen: Mit Ultraschall-Früherkennung sterben gleich viele Frauen an Eierstockkrebs wie ohne. Ein Nutzen ist nicht belegbar.

Was wir wissen — Schaden

Belegt sind Fehlalarme, belastende Folgeuntersuchungen und Übertherapien — bis hin zur Entfernung gesunder Eierstöcke.

Kosten: 25–53 €
GKV-Leistung: nur bei Verdacht
Strahlung: keine
Erkrankungen/Jahr (D): ca. 7.300
Unsere Haltung
Wir bieten diesen Ultraschall nicht aktiv als Vorsorge an. Bei Beschwerden, familiärer Vorbelastung oder konkretem Verdacht ist er Kassenleistung — und sinnvoll. Sprich uns an, wenn du unsicher bist.

Worum geht es bei diesem Ultraschall?

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 7.300 Frauen an Eierstockkrebs — dem Ovarialkarzinom. Das Tückische: Anfangs verursacht der Tumor meistens keine Beschwerden. Das Durchschnittsalter bei Diagnose liegt bei 68 Jahren. Beides erklärt, warum die Idee einer Früherkennung so naheliegend wirkt.

Der Ultraschall der Eierstöcke ist eine bildgebende, risikoarme Untersuchung ohne Strahlung. Zur Beurteilung der weiblichen Geschlechtsorgane wird er transvaginal durchgeführt — also über eine Sonde in der Scheide. Häufig schaut die Frauenärztin dabei auch die Gebärmutter mit an. Als Selbstzahlerleistung kostet die Untersuchung in der Regel zwischen 25 und 53 Euro.

Was bezahlt die Krankenkasse?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ab dem 20. Lebensjahr eine jährliche gynäkologische Tastuntersuchung von Unterbauch und Beckenraum. Ein Ultraschall wird von den Kassen nur bei konkretem Verdacht bezahlt — also bei Symptomen oder Auffälligkeiten beim Tasten. Wer als beschwerdefreie Frau einen Ultraschall der Eierstöcke wünscht, zahlt ihn selbst. Diese individuelle Gesundheitsleistung wird mit der Abkürzung IGeL bezeichnet.

Was sagt die Studienlage?

Eine Früherkennung lohnt sich medizinisch nur, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Die Krankheit muss früher zuverlässig erkennbar sein, und die frühere Behandlung muss bessere Ergebnisse bringen als eine spätere. Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors hat genau das geprüft — über aktuelle Studien und Langzeitauswertungen älterer Untersuchungen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Mit Ultraschall-Früherkennung sterben gleich viele Frauen an Eierstockkrebs wie ohne. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Untersuchung Leben rettet oder Krankheitsverläufe verbessert. Damit fehlt der entscheidende Grund, sie beschwerdefreien Frauen als Vorsorge anzubieten.

Welche Schäden sind belegt?

Direkte körperliche Schäden durch den transvaginalen Ultraschall sind nicht zu erwarten — die Untersuchung selbst ist schmerzarm und ohne Strahlung. Die Schäden entstehen indirekt, durch die Konsequenzen aus auffälligen Befunden:

  • Fehlalarme: Der Ultraschall zeigt häufig Strukturen, die verdächtig wirken, sich später aber als harmlos herausstellen.
  • Belastende Folgeuntersuchungen: Bis ein auffälliger Befund geklärt ist, vergehen oft Wochen — mit der psychischen Belastung einer möglichen Krebsdiagnose im Hintergrund.
  • Übertherapie: In Einzelfällen werden gesunde Eierstöcke entfernt, weil ein Befund nicht eindeutig zu klären war.

Aus diesen Gründen sieht der IGeL-Monitor Belege für Schäden — und kommt insgesamt zur Bewertung „negativ“.

Wann ist der Ultraschall trotzdem sinnvoll?

Die kritische Bewertung gilt ausschließlich für die Früherkennung bei beschwerdefreien Frauen. Sobald es einen medizinischen Anlass gibt, wird die Untersuchung sinnvoll — und wird dann auch von der Kasse bezahlt. Konkrete Anlässe sind zum Beispiel:

  • Auffälligkeiten bei der Tastuntersuchung
  • Unklare Unterbauchbeschwerden oder Zyklusstörungen
  • Familiäre Vorbelastung mit Eierstock- oder Brustkrebs (BRCA-Mutationen)
  • Postmenopausale Blutungen

Unsere Haltung in der Praxis

Wir bieten den Ultraschall der Eierstöcke nicht aktiv als Vorsorgeleistung an. Diese Entscheidung fällt uns leicht: Wenn der wissenschaftliche Dienst der gesetzlichen Krankenkassen eine Leistung als „negativ“ bewertet, halten wir es für unredlich, sie als sinnvolle Selbstzahlerleistung zu verkaufen.

Was wir tun: Wir klären auf, wir nehmen Beschwerden ernst, und bei Verdacht oder Risikoprofil führen wir den Ultraschall selbstverständlich durch — dann ist er Kassenleistung. Wenn du dir unsicher bist, ob in deiner Situation eine Untersuchung sinnvoll ist, sprich uns an. Dafür sind wir da.

Quellen und weiterführende Informationen

Letzte Aktualisierung: Mai 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung im Einzelfall.