Aktuelle Entwicklung
Warum Ihre Frauenärztin weniger Zeit hat.
Warum ein Kassentermin schwerer wird — und was wir dagegen tun. Ein offenes Wort zu Wartezeiten, Digitalisierung und dem, was 2027 kommt.
Stand: Juli 2026 · Diese Seite halten wir aktuell, wenn sich Zahlen oder Gesetzeslage ändern.
Kurz gesagt
Sie warten länger auf einen Termin als früher. Sie sprechen häufiger mit einer digitalen Assistenz als mit einem Menschen. Sie haben den Eindruck, dass es mehr um Leistungen und weniger um Zuwendung geht.
Der Eindruck ist nicht falsch. Der Grund liegt aber nicht in unserer Haltung, sondern im Rahmen, in dem Kassenmedizin heute stattfindet. Wir erklären ihn hier – so nüchtern und vollständig wie möglich, damit Sie sich ein eigenes Urteil bilden können.
1. Ärztliche Arbeit ist gedeckelt
Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen eine Praxis nicht für jede erbrachte Leistung, sondern bis zu einer bestimmten Menge pro Quartal. Was darüber hinausgeht, wird geleistet – aber nicht oder nur stark gemindert vergütet.
Gehälter, Miete, Geräte, Hygiene, IT-Sicherheit und Telematik laufen unterdessen weiter.
2. Es gibt drei Auswege

3. Was das für Sie bedeutet
Termine sind knapper und müssen weiter im Voraus geplant werden. Wir steuern über Kontingente, damit dringliche Fälle Vorrang haben.
Digitale Wege – Online-Terminbuchung und Telefonassistenz – sind kein Ersatz für Menschen. Sie sorgen dafür, dass Ihr Anliegen nicht im Besetztzeichen verschwindet, wenn alle Leitungen belegt sind.
4. Krebsfrüherkennung: so steuern wir sie
Die Krebsfrüherkennung bleibt eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Was sich ändert, ist der Zugang – weil die Kapazität dafür budgetiert und damit knapp ist. Wir sagen offen, wie wir sie verteilen:
Termine vergeben wir maximal drei Monate im Voraus. Das Kontingent ist eng.
Anfragen laufen telefonisch. So können wir im Gespräch einordnen, wie dringend Ihr Anliegen ist.
Unsere Ärztinnen priorisieren nach medizinischer Dringlichkeit: auffällige Abstriche, Tastbefunde und kontrollbedürftige Vorbefunde zuerst. Das ist kein Zufall und keine Willkür, sondern die einzige Verteilung, die medizinisch vertretbar ist.
Was danach frei bleibt, geben wir laufend zur telefonischen Anfrage frei.
→ Was Ihnen als gesetzlich Versicherter zusteht, steht ausführlich unter Kassenleistungen.
- „Früher war das alles inklusive.“
- „Man bekommt ja gar keinen Termin mehr.“
- „Warum soll ich plötzlich dafür zahlen?“
- „Bei der Vorgängerin ging das noch ohne.“
- „Man wird nur noch zur Kasse gebeten.“
- „Drei Monate warten — für eine Vorsorge.“
- „Das ist doch Kassenleistung.“
Das hören wir. Jeden Tag.
Diese Seite ist die Antwort darauf — mit offenen Zahlen.
Wir haben viele Fünf-Sterne-Bewertungen. In letzter Zeit auch mehrere mit einem Stern – fast alle zu genau diesem Punkt: Erreichbarkeit und Vorsorgetermine. Wir lesen sie, und wir nehmen sie ernst.
Sie sagen uns vor allem eines: Wir haben schlecht erklärt, was hier passiert. Es geht nicht um Gier und nicht um den Verlust ärztlicher Haltung – es geht um eine Kapazität, die nicht mehr für alle reicht, und um die Frage, wer sie zuerst bekommt. Wir haben uns entschieden, das offen aufzuschreiben, statt es weiter jede Woche einzeln am Telefon zu erklären. Diese Seite ist die Antwort auf diese Bewertungen.

5. Warum wir zusätzliche Angebote machen
Weil der budgetierte Rahmen nicht ausreicht, um eine Praxis in dieser Qualität zu erhalten. Zusatzleistungen und Mitgliedschaftsmodelle finanzieren das, was die Kassenvergütung nicht mehr trägt: Zeit, Personal, Ausstattung.
Wir sagen das offen, statt es zu verstecken. Wer diese Angebote nicht möchte, bleibt selbstverständlich unsere Patientin.
6. Was 2027 passiert
Am 10. Juli 2026 hat der Bundestag das GKV-Spargesetz beschlossen; zum 1. Januar 2027 tritt es in Kraft. Der Rahmen wird enger, nicht weiter.
Konkret: Leistungen, die bisher zusätzlich vergütet wurden – die schnellere Terminvermittlung nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) und die Zuschläge für die elektronische Patientenakte – wandern unter den Budgetdeckel. Zuschläge für Hygiene und für Wartezeiten fallen ersatzlos weg.
Für die Frauenheilkunde in Baden-Württemberg bedeutet das nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung rund 17,21 Mio. € weniger – ein Minus von 5,3 % gegenüber den bisherigen 323,5 Mio. €. Allein 13,1 Mio. € davon entfallen auf die wegfallende TSVG-Vergütung.
Der Einschnitt ist kein regionales Phänomen. Bundesweit rechnet die Kassenärztliche Bundesvereinigung damit, dass durch die fehlende Finanzierung bis zu 46 Millionen Behandlungsfälle pro Jahr nicht mehr geleistet werden können. Das ist keine Zahl aus dem Internet, sondern die offizielle Schätzung der ärztlichen Selbstverwaltung.
In der Summe entsteht damit etwas, das in der Debatte inzwischen offen beim Namen genannt wird: eine Medizin nach Kassenlage. Wer privat versichert ist oder zuzahlen kann, bekommt schneller einen Termin; wer das nicht kann, wartet länger. Wir halten diese Entwicklung für falsch – und sagen zugleich ehrlich, dass eine einzelne Praxis sie nicht aufhalten, sondern nur so fair wie möglich abfedern kann.
Dazu kommt die Mengen-Mechanik: Grundlage ist das Leistungsvolumen des Jahres 2025. Wer mehr arbeitet, erhöht das Gesamtvolumen – und senkt damit die Quote, zu der jede einzelne Leistung noch ausgezahlt wird. Mehrarbeit wird also nicht belohnt; rechnerisch verringert sie die Vergütung für alle.
Wir werden Ihnen rechtzeitig sagen, was das für Ihre Versorgung bei uns bedeutet – bevor Sie es im Wartezimmer merken.

7. Und wenn Sie das nicht mittragen wollen?
Dann ist das Ihr gutes Recht, und wir nehmen es Ihnen nicht übel. Wir geben Ihnen Ihre Unterlagen zügig heraus und wünschen Ihnen aufrichtig alles Gute.
Bedenken Sie dabei nur eines — nicht als Drohung, sondern als nüchterner Hinweis: In der aktuellen Lage findet man schwer eine neue Praxis mit freier Kapazität. Ein einmal aufgegebener Platz ist meist weg.
Wir möchten nur, dass Ihre Entscheidung auf richtigen Annahmen beruht. Der Rahmen, den wir hier beschreiben, gilt für jede Praxis in Deutschland. Unterschiedlich ist, wie offen darüber gesprochen wird. Wir haben uns für offen entschieden.

8. Wir stehen damit nicht allein
Wir stehen im laufenden fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen der Region, mit unserem Berufsverband und mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Was wir hier beschreiben, ist keine Konstanzer Einzelmeinung, sondern die Realität, über die in der ambulanten Frauenheilkunde gerade überall gesprochen wird – meist hinter verschlossenen Türen.
Wir gehören zu den ersten Praxen, die offen darüber sprechen und tragfähige Modelle für die Zeit nach 2027 erproben. Das ist unbequem und bringt uns Kritik ein. Wir halten es trotzdem für den ehrlicheren Weg – und teilen unsere Erfahrungen mit denen, die vor denselben Fragen stehen.
Wir stehen auf Ihrer Seite. Auch dann, wenn es sich anders anfühlt.
Fragen dazu?
Sprechen Sie uns an. Wir antworten ehrlich – auch dann, wenn die Antwort unbequem ist.
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